Rehabilitation

Psychische und psychosomatische Erkrankungen im Erwachsenenalter sind häufig durch chronischen Verlauf, rezidivierende Verschlechterung und ein hohes Komorbiditätsspektrum geprägt. Die Behandlung kann abhängig vom akuten Schweregrad, der individuellen Verlaufsform, den notwendigen Behandlungsmitteln und den spezifischen Zielsetzungen kurativ oder rehabilitativ erfolgen.

  

Reichen ambulante ärztliche Behandlungen und Psychotherapie nicht aus, die Schädigung/Funktionsstörungen und ihre Symptomatik zu bessern, können teilstationäre und vollstationäre Krankenhausbehandlungen notwenig sein.

 

Haben krankheitsbedingte Schädigungen zu nicht nur vorübergehenden Fähigkeitsstörungen geführt und/oder beeinträchtigen sie die Teilhabe, so kann eine medizinische Rehabilitation indiziert sein.

 

Medizinische Rehabilitation erfordert ein umfassendes, ganzheitlich angelegtes und interdisziplinäres Rehabilitationskonzept entsprechend dem Krankheitsfolgenmodell, unabhängig davon, ob dies in stationärer oder ambulanter Form erbracht wird.

 

Rehabilitation umfasst alle Maßnahmen, die das Ziel haben, das Einwirken jener Bedingungen, die zu Einschränkungen oder Benachteiligungen führen, abzuschwächen und die eingeschränkten und benachteiligten Personen zu befähigen, soziale Integration zu erreichen.

 

 Rehabilitationskonzepte orientieren sich an folgenden allgemeinen Rehabilitationszielen:

 

 

  • Behebung oder Verminderung der Schädigungen/Funktionsstörungen
  • Verminderung des Schweregrads der Fähigkeitsstörungen oder Wiederherstellung gestörter Fähigkeiten´
  • Kompensation (Ersatzstrategien) 
  • Adaptation/Krankheitsverarbeitung

 

Dies bedeutet für psychische /psychosomatische Erkrankungen:

  • Förderung der Fähigkeit zum angemessenen Umgang mit der psychischen/somatopsychischen/psychosomatischen Erkrankung und deren Folgen
  • Wiederherstellung oder Erhalt von Erwerbsfähigkeit respektive Rückkehr ins Berufsleben
  • (Wieder-) Erlangung von Autonomie und sozialkommunikativer Kompetenz als Voraussetzung für Leistungsfähigkeit im Berufs- und Alltagsleben
  • Vermeidung sozialer Abhängigkeit im Alter
  • Vermeidung zukünftiger Pflegebedürftigkeit

 

In der Rehabilitation werden unter folgenden spezifischen Behandlungsbedingungen wissenschaftlich erprobte Interventionen kombiniert angewendet:

  • krankheitsgruppenspezifische Behandlungskonzepte in spezialisierten Einrichtungen
  • intensivierte Gesundheitsbildung in Kursen, Seminaren und Einzelberatungen
  • Zusammenarbeit unterschiedlicher Berufsgruppen in einem Rehateam
  • Psychotherapeutische Behandlung sowie psychologische und soziale Beratung
  • Kreativ- und ergotherapeutische Behandlung 
  • überwiegend aktivierende Maßnahmen (Bewegungstherapie, Krankengymnastik, Sporttherapie), physikalische Therapien, Ernährungsberatung
  • spezielle Assessments zur Verlaufsbeobachtung und sozialmedizinischen Begutachtung.

   

Psychische/psychosomatische Anteile in der Medizinischen Reha gewinnen an Bedeutung: Die am Arbeitsplatz erlebte Angst und die Angst um den Arbeitplatz steht in enger Beziehung zu Interaktionsängsten, emotionaler Labilität und allen psychosomatischen Beschwerdebildern. Berentungsgründe aus psychischen Gründen rücken an die erste Stelle der Frühberentung.

 

Medizinische Rehabilitation insgesamt und psychosomatische Rehabilitation im Besonderen setzen vermehrt auf arbeitsbezogene Behandlungsstrategien. Oft stellt der Patient nur seine Beschwerden in den Vordergrund und möchte Bewältigungsstrategien hinsichtlich Arbeit und Beruf ausklammern. Ziel der Rehabilitation ist zusammen mit dem Patienten eine aktive Entwicklung von Problemlösekompetenz für den sozialen und beruflichen Alltag, um das übergeordnete Ziel einer bio-psycho-sozialen Stabilisierung zu erreichen.