Traumakonzept

Vom traumatischen Prozess bzw. einer Chronifizierung sprechen wir, wenn es nach einer angemessenen Verarbeitungszeit (ca. 3 Monate) nicht gelingt, die gemachten Erfahrungen zu bewältigen und in den Erfahrungskontext zu integrieren. Dies geschieht, wenn der Betroffene wiederholt durch und Panik überwältigt wird und kompensatorische Abwehrmaßnahmen versagen. Die ständige Reproduktion der Traumaerinnerungen kommt einer Retraumatisierung gleich, die den Betroffenen labilisiert. Umgekehrt kann sich ein anhaltendes Vermeidungsverhalten mit Gefühlsabstumpfung und Verleugnung einstellen. Diese Reaktionsform kann als Versuch verstanden werden, die unerträglichen Erinnerungen im Zaum zu halten, was in der Regel aber nicht gelingt, sondern sich in Symptombildungen niederschlägt. Im Hinblick auf die Therapie von chronisch traumatisierten Patienten geht es insbesondere in der Rehabilitation darum, die Traumakompensation zu fördern. Dies erfolgt durch Förderung protektiver/ressourcenorientierter Faktoren sowie durch Differenzierung, Modifizierung und Korrektur der traumakompensatorischen ungünstigen Annahmen und Verhaltensweisen. Neben zunächst medizinischen, pädagogischen und psychologischen Hilfen gehören bei dieser Störung die Hilfe zur Erhaltung des Arbeitsplatzes zu den wichtigsten Leistungen.

 

 

Generell gilt, dass eine Vielzahl der typischen Begleitsymptome der Störung in beruflicher Hinsicht einschränkend sein kann:

 

Schlafstörungen und in der Folge Konzentrationsstörungen erschweren Tätigkeiten, bei denen hohe Anforderungen an die Aufmerksamkeit gestellt werden, z. B. beim Führen von Kraftfahrzeugen, dem Bedienen von Maschinen und bei Überwachungstätigkeiten. Gleiches gilt für das Auftreten ausgeprägter Intrusionen und Flashbacks oder wenn ein erhöhter Substanzmittelmissbrauch Folge des Traumas ist. Wechsel- und Nachtschichten beeinflussen zudem die Schlaf- und Konzentrationsstörungen negativ.

 

Tätigkeiten im Umgang mit anderen Menschen, wo der Fokus auf das Gegenüber gerichtet ist, können durch das Erleben von Gleichgültigkeit und emotionaler Teilnahmslosigkeit erschwert sein und die Verantwortungsübernahme einschränken. Dies trifft auch bei Dissoziationen und selbstverletzendem Verhalten zu.

 

Reizbarkeit oder auch Wutausbrüche belasten den zwischenmenschlichen Bereich, was gerade in Berufen, in denen hohe sozialkommunikative Fähigkeiten gefordert sind (z.B. Polizist, Politesse, Richter, Beschwerdesachbearbeiter, soziale und erzieherische Berufe) zusätzliche Probleme mit sich bringen können.

 

Soziales Rückzugsverhalten, Müdigkeit, Antriebslosigkeit oder auch Depressionen behindern die Ausübung beruflicher Tätigkeiten und können Arbeitsstörungen bedingen.

 

Das Vermeiden von Orten oder Situationen, die Erinnerungen an das Trauma wachrufen könnten, spielt dann eine besonders große Rolle, wenn das traumatische Ereignis mit der Arbeits­ausübung in einem Zusammenhang steht (z.B. ein Arbeitskollege nach einem Arbeitsunfall, ein Bankangestellter nach einem Überfall, ein Zugführer oder ein LKW-Fahrer, der Jemanden überfahren hat).

 

Eine ausgeprägte Somatisierungsneigung als Folge eines belastenden Ereignisses führt nicht selten zu einer verstärkten Inanspruchnahme des Gesundheitssystems und begründet so Ausfallzeiten.

 

Die beschriebenen Auswirkungen führen in ausgeprägter Form zur Arbeitsunfähigkeit. In der Regel aber ist mit einer Rückkehr an den Arbeitsplatz zu rechnen.

 

Wird der Arbeitsplatz als Ort des traumatischen Geschehens phobisch gemieden, sollten zeitnah Möglichkeiten der vorübergehenden Entbindung von belastenden Arbeitsaufgaben oder eine innerbetriebliche Arbeitsplatzumbesetzung geprüft werden. Dies hätte auch im Sinne einer systematischen Desensibilisierung einen therapeutischen Effekt.

 

Ist dem Betroffenen nach Ausschöpfung aller therapeutischen und genannten beruflichen Maßnahmen eine Rückkehr an seinen Arbeitsplatz nicht zumutbar, sind (da qualitative Leistungseinschränkungen bestehen) Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben z.B. in Form qualifizierender Maßnahmen (Fortbildung, Weiterbildung, Umschulung) zu prüfen.

 

 

Gemeinsame Ziele der stationären Traumatherapie und der Rehabilitation sind:

 

  • Schaffung persönlicher und sozialer Sicherheit,
  • Patienteninformation, Psychoedukation,
  • Reduzierung von Symptomen,
  • Verbesserung persönlichkeitsbedingter und interpersoneller Schwierigkeiten,
  • Förderung der Eigenverantwortlichkeit für Verhalten,
  • Förderung von Ressourcen, Reduzierung von Risikofaktoren,
  • Erwerb eines Selbstmanagements im Umgang mit Symptomen,
  • Entwicklung spezifischer Fertigkeiten (Skills) und neuer Verhaltensweisen,
  • Alltagsbewältigung,
  • Entlassungsplanung und Rückfallprophylaxe,
  • Reintegration ins soziale Leben, Familie, Alltag, Beruf.